Vom Fachwissen zum getesteten Angebot: ein 90-Tage-Plan neben dem Job

Der Januar ist voll von guten Vorsätzen, und die meisten davon scheitern nicht am Willen, sondern am fehlenden Ablauf. „Ich mache mich dieses Jahr selbstständig“ ist kein Plan, sondern eine Absicht. Was fehlt, ist die Antwort auf die Frage, was genau in welcher Woche passiert.

Der folgende Ablauf verteilt den Weg vom vorhandenen Fachwissen zu einem ersten getesteten Angebot auf drei Monate. Er ist für Frauen gedacht, die noch angestellt sind und einige Stunden pro Woche zur Verfügung haben. Nicht mehr. Wer mehr Zeit hat, wird schneller fertig, muss die Reihenfolge aber nicht ändern.

Was der Plan voraussetzt

Rechne mit vier bis sechs Stunden pro Woche, die verlässlich zur Verfügung stehen. Verlässlich heißt: an festen Tagen, im Kalender eingetragen, nicht als Restzeit gedacht.

Zwei Abende oder ein halber Tag am Wochenende reichen aus. Entscheidend ist nicht die Menge, sondern dass die Termine tatsächlich stattfinden. Ein Plan, der auf zehn Stunden ausgelegt ist und regelmäßig ausfällt, kommt langsamer voran als einer mit vier Stunden, die gehalten werden.

Plane außerdem von vornherein mit Ausfällen. Wenn du in jedem Monat eine Woche als Reserve einrechnest, gerät der Ablauf nicht gleich ins Rutschen, sobald etwas dazwischenkommt.

Was in diesen 90 Tagen nicht vorkommt

Kein Logo, keine fertige Website, keine ausgearbeiteten Unterlagen, keine Social-Media-Strategie. Diese Dinge sind nicht unwichtig, aber sie kommen später. In der Anfangsphase binden sie Zeit, ohne die entscheidenden Fragen zu beantworten.

Ebenfalls nicht vorgesehen: die Kündigung. Der Plan ist darauf ausgelegt, parallel zur Anstellung zu laufen, damit die Entscheidung über den weiteren Weg auf Erfahrung beruht und nicht auf einer Hoffnung.

Tage 1 bis 30: Klären

Der erste Monat dient der Klärung, nicht dem Bauen. Das fühlt sich langsam an und spart später den größten Teil der Umbauarbeit.

In den ersten beiden Wochen geht es um deine Ausgangslage. Schreib auf, welche Aufgaben du in deiner bisherigen Tätigkeit übernommen hast, wofür du intern angefragt wurdest und welche Probleme dir regelmäßig begegnet sind. Daraus ergibt sich eine Liste möglicher Themen.

Die Wochen drei und vier gehören den Gesprächen. Such dir fünf bis acht Personen, die deiner möglichen Zielgruppe entsprechen, und frag sie nach ihrer Situation. Nicht nach ihrer Meinung zu deiner Idee, sondern nach ihrem Alltag: Was ist gerade schwierig, was haben sie schon versucht, woran ist es gescheitert.

Notiere dir nach jedem Gespräch die Formulierungen, die gefallen sind, möglichst wörtlich. Diese Sätze sind später wertvoller als jede selbst formulierte Beschreibung, weil sie zeigen, wie deine Zielgruppe das Thema benennt. Am Ende des ersten Monats solltest du das Problem, um das es geht, in den Worten deiner Zielgruppe aufschreiben können. Das ist das Ergebnis dieser Phase.

Tage 31 bis 60: Zuschneiden

Im zweiten Monat entsteht das Angebot, und zwar auf Grundlage dessen, was du in den Gesprächen gehört hast.

Entscheide zuerst über das Ergebnis: Was genau hat deine Kundin am Ende in der Hand? Danach über das Format, also wie die Zusammenarbeit abläuft, und wie viele Termine dazugehören. Zum Schluss über den Umfang, der in deinen Zeitrahmen passt. Halte das Angebot dabei bewusst klein. Ein erster Zuschnitt, der sich in wenigen Wochen umsetzen lässt, ist leichter zu erklären, leichter zu liefern und leichter zu korrigieren als ein umfangreiches Paket, das die gesamte Expertise abbilden soll.

Den Preisrahmen berechnen, nicht fühlen

Parallel dazu steht die Kalkulation an. Rechne den gesamten Zeitaufwand pro Auftrag zusammen, inklusive Vorbereitung, Kommunikation und Nachbereitung. Berücksichtige, dass ein erheblicher Teil deiner Arbeitszeit nicht abrechenbar ist, und rechne Steuern, Versicherungen und Rücklagen ein.

Daraus ergibt sich ein Rahmen, innerhalb dessen dein Angebot wirtschaftlich tragfähig wäre. Ob der Markt diesen Rahmen bestätigt, zeigt sich erst danach. Wichtig ist, dass du mit einer Rechnung in Gespräche gehst und nicht mit einem Gefühl.

Am Ende des zweiten Monats steht eine Beschreibung, die du einer fremden Person in zwei Minuten erklären kannst, samt Preisrahmen.

Tage 61 bis 90: Testen

Der dritte Monat ist der wichtigste und der, der am häufigsten übersprungen wird. Hier geht es darum, das Angebot tatsächlich an realen Menschen zu prüfen. Stell es den Kontakten aus dem ersten Monat vor und frag konkret, ob es für ihre Situation passt. Achte weniger auf Zustimmung als auf Nachfragen und Zögern, denn dort liegen die Stellen, an denen die Beschreibung noch nicht trägt.

Wenn sich daraus eine erste Zusammenarbeit ergibt, führ sie durch und miss dabei mit: Wie lange hat es tatsächlich gedauert, wo ist Mehraufwand entstanden, was war überflüssig. Diese Daten sind die Grundlage für alles, was danach kommt.

Falls dir eine bezahlte Zusammenarbeit zu früh erscheint, ist ein klar begrenzter Testdurchlauf mit einer Person aus deinem Umfeld eine Alternative. Wichtig ist, dass Umfang und Endpunkt vorab feststehen, damit daraus keine unbegrenzte Gefälligkeit wird.

Kommt keine Zusammenarbeit zustande, ist das kein verlorener Monat. Dann weißt du, an welcher Stelle Gespräche abbrechen, und das ist die Information, mit der du im nächsten Quartal arbeitest.

Was nach 90 Tagen realistisch dasteht

Am Ende der drei Monate liegt Folgendes vor:

eine Problembeschreibung in den Worten deiner Zielgruppe

ein zugeschnittenes Angebot mit klar benanntem Ergebnis

ein kalkulierter Preisrahmen auf Grundlage deiner tatsächlichen Zeiten

Rückmeldungen aus einer Handvoll echter Gespräche

eine Einschätzung, an welcher Stelle Interesse entsteht und wo es abbricht

Möglicherweise kommt eine erste Kundin dazu, möglicherweise nicht.

Was du nicht hast, ist ein tragfähiges Einkommen. Das ist kein Zeichen dafür, dass etwas schiefgelaufen ist, sondern entspricht dem, was in dieser Zeit und mit diesem Stundenbudget möglich ist. Wer im Januar mit anderen Erwartungen startet, hört im April enttäuscht auf, obwohl die Arbeit richtig war.

In der Beratungspraxis der Fortune Family zeigt sich häufig, dass die ersten drei Monate vor allem Klarheit produzieren und nicht Umsatz, und dass genau diese Klarheit später den Unterschied macht. Wer ohne sie startet, baut Strukturen auf Annahmen auf, die sich erst viel später als falsch herausstellen.

Trag dir die drei Phasen in den Kalender ein, mit einem festen Termin am Ende jedes Monats, an dem du das jeweilige Ergebnis schriftlich festhältst. Mehr Struktur braucht es für den Anfang nicht.

Häufige Fragen

Was, wenn ich im ersten Monat keine Gesprächspartnerinnen finde?Dann ist die Zielgruppe meist zu abstrakt beschrieben. Geh eine Ebene konkreter und überleg, wo genau diese Personen sich aufhalten, beruflich wie online. Häufig führt auch der Weg über bestehende Kontakte weiter, die dich an passende Personen vermitteln.

Kann ich die Phasen parallel bearbeiten?Möglich, aber selten sinnvoll. Der Wert liegt gerade darin, dass jede Phase die Grundlage für die Entscheidungen der nächsten liefert.

Was, wenn mein Thema mehr Vorbereitung braucht?Dann verlängert sich der Plan, die Reihenfolge bleibt. In stark regulierten Bereichen kommen Zulassungs- oder Qualifikationsfragen hinzu, die früh geklärt werden sollten.

Ist der Zeitraum von 90 Tagen zwingend?Nein, er dient der Struktur. Wichtiger als die Dauer sind die drei Ergebnisse: eine klare Problembeschreibung, ein zugeschnittenes Angebot und Rückmeldungen aus echten Gesprächen.